„Ich bin zu 200% Gewerkschafterin!“

Foto: © Susanne Jonak

Geschätzte Kongressteilnehmerin,
geschätzter Kongressteilnehmer!

Ich liebe Kongresse. Nicht dass es mir möglich wäre, an so vielen teilzunehmen, doch wenn ich es schaffe, bin ich jedes Mal begeistert. Alleine schon wegen der Atmosphäre. Da summt es in der einen Sekunde wie in einem Bienenstock und in der nächsten Sekunde könnte man eine Nadel fallen hören, von den unendlichen Weiten des Weltraums tauchen wir kurz darauf in unterschiedliche, berufsrelevante Themen ab. Das ich dabei noch tagesverfassungsabhängig und je nach Interesse wählen kann, gefällt mir ebenfalls. Ich bin gern frei in meinen Entscheidungen und da geht es Ihnen
sicher nicht anders.

Susanne Jonak

Doch bei genauerer Sichtung des Programms werden Sie feststellen, dass andere wichtige Themen wie z.B. Gehaltserhöhung, Personalsituation, oder Zulagensituation fehlen. Das liegt einzig und alleine daran, dass wir eine basisbeteiligte Vorgehensweise wollen. Wir möchten mit Ihnen gemeinsam unsere Forderungspunkte ausarbeiten und auch mit Ihnen gemeinsam entscheiden, wie wir in diversen Abschnitten der Verhandlungen agieren bzw. reagieren wollen. Dabei steht für mich das Team Gesundheit im Zentrum - alle Bediensteten im Gesundheitswesen.

Gerade die einseitige Darstellung unserer ärztlichen TeampartnerInnen erachte ich als den falschen Weg. Immer wieder habe ich mich gefragt, warum das singuläre Vorgehen einer Berufsgruppe das Gesundheitssystem vor dem Kollaps retten soll. Ich war neben ÄrztevertreterInnen unterschiedlicher Gruppierungen im Verhandlungsteam und erachte das Ergebnis in Wien als beispielgebend aber auch als fair. Ich bin zu 200% Gewerkschafterin und Personalvertreterin und wurde von Ihnen demokratisch gewählt. Es ist mir daher ein Herzensanliegen aber auch eine demokratische Vorraussetzung, die betroffenen Bediensteten vor dem Start der Verhandlungen zu ihren Anliegen zu befragen, sie im Prozess engmaschig zu informieren, um so nahe an den Bedürfnissen der Belegschaft bleiben zu können.

Klare Grundforderungen zeichnen sich jedoch schon ab: jede/r übt nur jene Tätigkeiten aus, für die sie/er ausgebildet wurde. Mit dem öffentlichen Gesundheitswesen dürfen keine Gewinne erzielt werden bzw. Spekulanten sind abzuwehren. Wir brauchen österreichweit festgelegte, gültige Vergleichsparameter. Das Gut Gesundheit muss österreichweit gleich bewertet werden. Wer mehr Verantwortung übernimmt, soll mehr verdienen. Gerade in einem sozialen Umfeld bedarf es auch sozialer Rahmenbedingungen für das Personal.

Was sich hier so einfach niederschreiben lässt bedarf all unserer Kraftanstrengungen und eines starken, geschlossenen Auftretens. Am Ende des Tages kommt es auf Sie an. Sie werden im Team darüber diskutieren, aber auch mit den PatientInnen, Angehörigen, Ihrer eigenen Familie, im Freundeskreis. Doch alles nimmt seinen Anfang und ich denke, ein Kongress ist ein guter Moment um unsere Anliegen in einem ersten Schritt zu formulieren. Auf jeden Fall ist es ein guter Moment um sich zu vernetzen. Nutzen Sie diese Chance. Der Mensch war im All und es wird ihm auch gelingen, Gesundheits- und Krankenpflege fair zu bewerten. Viel Spass und eine interessante Zeit

Ihre Susanne Jonak
Vorsitzende der Hauptgruppe II

 

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